LAGER, FEUER, POLIZEI, STÖRUNG, FETISCH, ASYL, KUNST

Eine Open Source Protest Akademie 

29. Mai ab 15 Uhr bis 1. Juni Open End

BBLACKBOXX, Freiburgerstr. 36 // Abschlussaktion am 1. Juni, auf dem Kaserneareal, 12 Uhr

Am 9. Juni 2013 steht die Abstimmung zur Asylgesetzrevision an und in der Politik verwendet man bereits den Begriff «Dissoziale Elemente» für “störende” Asylsuchende, um deren Absonderung in geschlossenen Lagern zu legitimieren. Während die prekäre Migration im Schengenraum zunehmend mit militärischen Mitteln und Lagerpolitik beantwortet wird, erlangt das Asylthema Hochkonjunktur im Kulturbetrieb.

Das  Wildwuchs Festival, welches dieses Jahr unter dem Motto “Wir stören” in Basel veranstaltet wird, hat uns als Sattelitenprojekt zur Teilnahme eingeladen. Aus diesem Anlass ruft der Kunstraum bblackboxx gemeinsam mit  dem Bleiberecht Kollektiv Basel zu einer Open Source Protest Akademie auf, an der sich alle Interessierten beteiligen können: vom Mittwoch 29. Mai-1.Juni treffen wir uns täglich bei bblackboxx, um eine oder mehrere Aktionen zu planen und durchzuführen (sowohl auf bblackboxx Gebiet als auch auf dem Festivalgelände Kaserneareal in der Stadt).

HINTERGRUND

Die Bleiberecht-Kollektive, die bblackboxx und auch andere Organisationen, die mit Asylsuchenden und Sans-Papiers in Kontakt stehen, erhalten immer wieder Vermittlungsanfragen aus dem Kunstbetrieb, wenn Flüchtlinge für ein Projekt gesucht werden. Auch an grossen Theatern und Museen bemüht man sich um das Thema. Das Interesse an einem vertieften politischen Engagement bleibt dabei oft marginal, mit der Begründung, dass Kunst und Politik nicht vermischt werden sollen und es nicht Aufgabe von Kulturveranstaltungen sei, sich politisch zu positionieren. In den meisten Fällen sind die Konzepte von vornherein von den Projektinitiant_innen schon ausgearbeitet und es bleibt wenig Raum für einen emanzipatorischen Zugang seitens der Migrant_innen. Zu diesem Thema empfehlen wir einen Artikel des “Antikulti Atelier” in der Papierlosenzeitung, in dem die Problematik ausführlicher diskutiert wird: Flüchtlinge als Stoff für Kunstprojekte (link).

Vor diesem Hintergrund greift die Protest Akademie aktuelle migrantische Widerstandskämpfe gegen Grenz- und Lagerpolitiken auf und geht der Frage nach, welches Potential die Allianz von Kunst und politischer Aktion in diesem Kontext bieten kann. Verschiedene Protestformen und Strategien aus der Sicht von Kunstschaffenden und Aktivismusbetreibenden sollen untersucht und auch in praktische Aktionen umgesetzt werden.

Das Festivalpublikum ist eingeladen. Der Einstieg ist jederzeit möglich. Keine Anmeldung erforderlich. Info: 079 791 00 43.

ABLAUF

MI 29. Mai
15 Uhr: Einführung in die Protestakademie mit öffentlichem Brief.
16 Uhr: Rundgang im Grenzgebiet zum Thema Flucht und Ausschaffung.

16.30-19 Uhr: Aquarellakademie sans frontières. Wir versammeln uns vor dem Bässlergut mit Pinsel und Papier zu einem offenen Gesprächsforum. Diese ist offen für Ideen, Fragen und Wissen.

18-20 Uhr: Ausflug ins Unternehmen Mitte zur Buchpräsentation von Pierre-Alain Niklaus “Nicht gerufen und doch gefragt – Sans-Papiers in Schweizer Haushalten” (Lenos Verlag).
20 Uhr-Open End (bei bblackboxx): Ideenbattle und offene Diskussion mit Grill und Brennesselsuppe. Grillgut bitte selber mitbringen.
DO 30. Mai
ab 10-17 Uhr, Einstieg jederzeit möglich: Warm Up Transpiworkshop. Für eine Riesentransparentaktion am Samstag suchen wir Leute, die beim Transparentegestalten helfen. Wer hat, bitte Stoffe  und Farben mitbringen.
Weitere Aktionen ergeben sich aus dem vorherigen Tag und werden am Infostand auf dem Festivalgelände Kasernenareal angekündigt.
Ausserdem auf der Website www.bblackboxx.ch, auf facebook (bblackboxx) und auf Anfrage bei 079 791 00 43.
19 Uhr: Filmscreening “Kein Mensch ist illegal” von Simon Labhard und Tina Bopp.
20.30 Uhr-Open End. Ideenbattle und offene Diskussion mit Grill. Grillgut bitte selber mitbringen.
FR 31. Mai
ab 10-17 Uhr, Einstieg jederzeit möglich: Warm Up Transpiworkshop. Für eine Riesentransparentaktion am Samstag suchen wir Leute, die beim Transparentegestalten helfen. Wer hat, bitte Stoffe und Farben mitbringen. Einstieg jederzeit möglich.
Weitere Aktionen ergeben sich aus den bisherigen Treffen und werden am Infostand auf dem Festivalgelände Kasernenareal angekündigt. Ausserdem auf der Website www.bblackboxx.ch, auf facebook (bblackboxx) und auf Anfrage bei 079 791 00 43. 19 Uhr-Open End. Ideenbattle und offene Diskussion mit Grill. Grillgut bitte selber mitbringen.
 
SA 1. Juni
ab 11 Uhr: Abschlussaktion auf dem Kaserneareal
14 Uhr: Aufruf zur Teilnahme an der Demonstration zum Ausschaffungsknast Bässlergut. Start um 14 Uhr am Claraplatz, Basel.
Die bblackboxx ist danach weiterhin wie jeden Abend offen, Versammlung am Lagerfeuer Open End. Grillgut bitte selber mitbringen.
Bei Interesse
Infos: www.bblackboxx.chFacebook: Bleiberecht Basel oder bblackboxxKontakt: info@bblackboxx.ch, oder 079 791 00 43

Zur Inspiration

Der Slogan “Kein Mensch ist Illegal” kommt übrigens aus dem Kunstkontext:http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/ABC/ABC_der_Alternativen_kein_mensch_ist_illegal_Veth.pdf

Das Schwabingrad Ballet:http://de.wikipedia.org/wiki/Schwabinggrad_Balletthttp://www.youtube.com/watch?v=ATCSbrD6jq8

Zur Aktion „Wir sind unter Euch“ von Kanak Attac:http://www.akweb.de/ak_s/ak477/31.htm

Wie man als Einzelperson eine Rebellion starten kann :-) http://www.youtube.com/watch?v=_qI_d9CuaGY&feature=share

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1. Akt: Offener Brief anstelle eines Epilogs

WILDWUCHS

zhdn. Gunda Zeeb, Sybille Ott

Vereinsträgerschaft

Postfach 534

CH-4005 Basel

 

Basel, 28. Mai, 2013

 

 

Offener Brief an das Wildwuchs Festival: Wir stören

Festivalleitung und Vereinsträgerschaft

 

Auf Einladung des Festivals veranstalten wir vom 29. Mai bis 1. Juni eine Protest Akademie mit dem Titel „Lager, Feuer, Polizei, Störung, Fetisch, Asyl, Kunst“. Ziel dieses Vorhabens ist es, Berührungspunkte und Allianzen zwischen Kunst und Aktivismus in Bezug auf migrantische Kämpfe aufzugreifen und in eine Aktion umzusetzen, welche am 1. Juni um 12 Uhr auf dem Festivalgelände stattfinden soll. Durch die Kooperation unternimmt Wildwuchs den Versuch, auch prekarisierte Migrant_innen in das Festival mit einzubeziehen, die sich im Asylverfahren befinden oder über keinen Aufenthaltsstatus verfügen.

Bei Veranstaltungen vom Kunstraum bblackboxx machen wir immer wieder die Erfahrung, dass die Polizei routinemässige Ausweiskontrollen durchführt, wobei die Personen nach dem Prinzip von Racial Profiling, also auf Grund ihrer äusseren Erscheinung ausgewählt werden. Es gibt Tage, an denen wir die letzte Station einer Marathonkrontrolle sind, nachdem die Patrouille bereits an anderen Orten war, wo sich Asylsuchende aufhalten. So kommt es teilweise vor, dass Personen, die vorher beim Internetcafé Planet 13 waren, bei uns ein zweites mal von der Polizei kontrolliert werden – während das Basler Publikum aus der Stadt unbehelligt bleibt.

Wie die bblackboxx, befindet sich das Wildwuchs Festival Gelände auf einem öffentlich zugänglichen Grund. Auf dem Areal rund um die Kaserne ist die Polizeipräsenz allgegenwärtig. Wir müssen daher damit rechnen, dass auch Menschen aus unserem Netzwerk, um und auf dem Festivalgelände Kontrollen über sich ergehen lassen müssen, wenn sie eine Veranstaltung besuchen oder sich an unserer Aktion am Samstag 1. Juni beteiligen wollen. Diese Aussicht bedeutet für uns eine Behinderung der Bewegungsfreiheit.

Racial Profiling ist die Konsequenz einer staatlich organisierten Stigmatisierung von Menschen auf Grund äusserer Merkmale. Unter dem Vorwand der Kriminalitätsbekämpfung sind die Kontrollen Teil einer Abschreckungsinszenierung, unter der Regie der aktuellen Migrationspolitik, die ihre Dramaturgie nach rein marktwirtschaftlichen Kriterien ausrichtet. Die Inszenierung erklärt die prekäre Migration als „randständig“. Mit den Worten einer Kampagne der Gesellschaft für Legalisierung (Hamburg) von 2003 erinnern wir jedoch daran: „WIR SIND UNTER EUCH“.

Wir verurteilen Racial Profiling als degradierend und rassistisch.

Das Wildwuchs Festival setzt sich traditionell und aktuell ein gegen die Ausgrenzung von Mitgliedern unserer Gesellschaft, die von einer konstruierte Norm abweichen. Der Einbezug der Migrant_innen, seien es Asylsuchende oder illegalisierte Sans-Papiers, darf im Rahmen des Festivals nicht symbolisch bleiben. Wir fordern Wildwuchs auf, sich öffentlich gegen Racial Profiling zu positionieren und sich im Falle von Kontrollen einzumischen.

Für uns ist das Festivalgelände nicht nur ein Theaterraum sondern auch ein Diskriminierungsraum. Es ist nicht genug, Solidarität als Bühnenakt zu verhandeln.

 

Am 1. Juni findet in Basel eine Demonstration gegen Ausschaffungen statt. Treffpunkt: 14 Uhr, Claraplatz. Sie werden dort erwartet.

 

Kein Mensch ist illegal.

 

Freundliche Grüsse, Bleiberecht Kollektiv Basel und bblackboxx