HIDDEN CITIES

Verborgene Städte

Eine Fotowanderausstellung von Giordano Pennisi

Giordano Pennisi hat als freischaffender Fotograf und Aktivist der BesetzerInnenszene Roms in den letzten 10 Jahren kaum eine Demonstration, Besetzung oder Anti-Räumungsblockade verpasst und Bilder, Flyer, Zeitungsartikel und Video- und Audio-Aufnahmen gesammelt. Die drei Teile der Ausstellung (Orte, Gesichter, Aktionen) kreisen um die Idee von Erinnerungen, Spuren einer all zu oft vergessenen Vergangenheit. Viel riskierend und oft verhaftet, hat Pennisi tausende Geschichten zusammengetragen, von Segregation, von Kindern von Fahrenden in Wohnwagen, die zu kalt zum Schlafen sind (und zu leicht anzuzünden), von somalischen Flüchtlingen auf der Suche nach einer Zukunft (weil ihre Vergangenheit schon lange gestohlen wurde), von Studierenden, ArbeiterInnen und Familien in Rom, zu arm, damit es bis ans Monatsende reicht. Gewöhnliche Geschichten, alltägliche und stille Erzählungen von Leid, aber manchmal auch Geschichten von Kampf und Selbstorganisierung.

Mehr zum Thema: hiddencities_thema

Die Wanderaustellung macht in der Schweiz halt vom 31.3. – 1. 4. im Autonomen Beauty Salon (Zürich) und bei bblackboxx:

Vernissage: Dienstag 3. April, 19-22 Uhr

Finnissage: Donnerstag, 5. April, 19 Uhr

Bei uns kann man auch immer gemütlich an frischer Luft grillieren, Grillgut und Drinks bitte selber mitbringen.

Ausstellung offen: MI. 4.3. und Do. 5.4., jeweils ab 12h bis2 2h
Die Ausstellung überkreuzt sich mit der Veranstaltung "bblackboxx leaks: volume 1" (siehe unten)

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bblackboxx leaks: volume 1

“HARRAGA, pas de chance” – eine Begriffsdehnungsübung zum Thema Asyl

DONNERSTAG, 5. April 2012, 15 Uhr, bblackboxx, Freiburgerstrasse 36

Gespräch mit Francesca Falk (Kulturhistorikerin), Sandra Staudacher (Ethnologin und Rechtsberaterin ES-BAS) und bblackboxx. Dazu Youtoube Präsentation von Popmusik über illegalisierte Migration aus Nordafrika, mit N.N. (Harraga aus Tunesien).

In der bblackboxx hat sich im Verlauf der Projekte der vergangenen Jahre einiges Wissen angesammelt, durch den Austausch mit unterschiedlichsten Leuten, die in der unmittelbaren Umgebung unterwegs sind, zwischen der Stadt und dem Grenzübergang Otterbach, zu den Containern der Rechtsberatung, zum Empfangs- und Verfahrenszentrum für Asylsuchende, zum Ausschaffungsgefängnis und zur bblackboxx: Flüchtlinge, Rechtsberater_innen, Aktivist_innen, Theorie- und Kunstschaffende oder andere Passant_innen.

Mit “bblackboxx leaks” startet nun eine Reihe von Gesprächsveranstaltungen, mit der das sich vor Ort manifestierende Wissen wieder Richtung Stadt in Umlauf gebracht werden soll. Vorbei an gängigen Polit- und Mediendebatten soll ein differenzierter und langsamer Austausch vor Ort stark gemacht werden. Die Gespräche werden für das Archiv der hauseigenen Feldbibliothek aufgezeichnet und können später ausgeliehen werden.

Den Auftakt machen zwei Wissenschaftlerinnen, die sich regelmässig vor Ort bewegen und in ihrer theoretischen Arbeit eine kritische Perspektive eröffnen auf die Abwehr von denen, die nicht den Aufnahmekriterien der herrschenden Migrationspolitik entsprechen. Mit der Unterstützung eines Harragas, präsentieren wir ausserdem einige Songs zum Thema, aus dem Kanon der Nordafrikanischen Popmusik, die der illegalisierten Migration nach Europa eine ganz eigene Stimme verleiht.

Francesca Falk beschäftigte sich in ihrer Dissertation unter anderem mit der Frage, inwiefern Bilder und Sprachbilder zur Legitimierung der Grenzpolitiken eingesetzt wurden und werden. Sie zeigt Grenzen als Bruchlinien unserer Gesellschaft, die Gewalt produzieren. Was wird in Bezug auf Grenzen sichtbar gemacht, was nicht – und weshalb.

Sandra Staudacher arbeitet seit über drei Jahren als Rechtsberaterin für Asylsuchende, direkt neben dem Empfangs- und Verfahrenszentrum. In ihrer kürzlich verfassten Masterarbeit hat sie sich zum Ziel gesetzt, genauer hinzuschauen, wer die Asylsuchenden sind, welche rechtlich betrachtet keinen Anspruch darauf haben, hier zu leben, gleichwohl kommen und vor allem auf keinen Fall ausreisen wollen. Indem sie die meist jungen Männer in der Schweiz begleitet und interviewt hat, konnte sie mehr über ihren Alltag, ihre Selbsthilfe-Taktiken im Asylwesen und ihre Identität erfahren.